China Miéville: »The City & The City«, oder: Mördersuche hüben, drüben und dazwischen

China Miéville (*1972) pflegt die löbliche Programmatik, sich für jeden Roman ein anderes Genre vorzuknöpfen, um daraus schubladensprengende Phantastik zu machen. So ist »The City & The City« erstmal ein klassischer Detektiv-Krimi, wenn Commissar Tydor Borlu den Mord an einer unbekannten Frau aufzuklären hat.

Die Sprache ist meist rau, eben typisch ›Hard-Boiled‹-Krimi, auch wenn Miéville (wie immer) massig einige Wortschöpfungen präsentiert und vertraute Begriffe so verwendet, dass sie neuartig schillern. Trotz der kühlen Sprache ist der Roman ungeheuer dicht gewebt, sprich: bietet viele Details und Ideentupfer, statt Gelaber und unnötiger Rekapitulationen. Zudem sind mir einige äußerst gelungene Dialoge aufgefallen, dank derer Miéville sich und seinen Lesern ermüdend weitschweifige Figurenschilderungen erspart.

Bewundernswert finde ich das große Phantastik-Konzept von »The City & The City«. Da gibt es zwei Städte, die irgendwo in Osteuropa an einer Flussmündung liegen: das altmodischere und politisch-kulturell pluralere Besžel, die Heimat von Kommissar Borlu, und das einheitsparteiisch regierte aber Dank Auslandsinvestitionen modernere und wirtschaftlich florierende Ul Qoma. Die Städte liegen auf seltsam-›magische‹ Art in- und nebeneinander. Keiner weiß, ob diese Eigenheit vor vielen Jahrhunderten durch die Trennung einer Stadt, oder das Zusammenwachsen zweier Städte hervorgerufen wurde. Über die geschichtliche Herkunft der Städte gibt es reichlich, teils durch Tabus erschwerte Debatten. Passt, kennen wir doch Ähnliches, wenn z. B. Ideologen eine Leitkultur einfordern und bestimmte Bräuche, Religionen oder sogar Arten das Bedürfnis nach willentlicher Manipulation des Bewusstseins mittels Rauschzuständen zu befriedigen als ›kulturfremd‹ und ›gehört nicht zum alkoholisch-christlich Erbe des Abendlandes‹ ausgrenzen.

Die Grenze zwischen Besžel und Ul Qoma verläuft sehr unübersichtlich. Da gibt es Bereiche, die eindeutig — ›total‹ — nur der Stadt angehören, in der man sich gerade befindet, dann ›alter‹-Orte, die zur anderen Stadt gehören, und schließlich schraffierte ›crosshatched‹-Zonen (übersetzt als ›Deckungsgleichen‹). Die Einwohner der beiden Städte achten penibel darauf, nur die zur eigenen Stadt gehörenden Dinge und Personen wahrzunehmen, und die andere Stadt zu ignorieren (›to unsee, unsmell something‹).

Mit Worten wie ›grosstopically‹ und ›topolganger‹ beschreibt Miéville die Wirrnisse der Zwillingsstädte Besžel und Ul Qomo. — ›Topolganger‹ bezeichnet das Gegenstück eines Ortes in der anderen Stadt. Eine Straße die nicht total in einer Stadt liegt, hat dann zwei Namen. So ist Ioy Street der Ul Qoma-›topolganger‹ von Rosid Strász in Besžel. Für die Bewohner von Besžel sind die Leute aus Ul Qomo zwar ›grosstopically‹ anwesend, aber es ist Besžel-Bewohnern nicht erlaubt die ›anderen‹ in Ul Qoma direkt und bewusst wahrzunehmen, denn allein das wäre schon eine Grenzverletzung.

(Wie meistens, wenn ich einen neuen Roman von Miéville auf Englisch lese, frage ich mich, wie man solche sprachlichen Eigenarten auf Deutsch meistern könnte. Ich habe die Übersetzung für Bastei Lübbe von Eva Bauche-Eppers nicht komplett ›geprüft‹, aber bei der Querbeet-Zweitlektüre musste ich oft anerkennend nicken und schmunzeln. Das ist Fitzelarbeit, die höchste Konzentration und viel Geschick verlangt.)

Von Klein an werden die Bewohner beider Städte darauf getrimmt, die eigenen kulturelle Merkmale zu verinnerlichen, und diejenigen der anderen Stadt zu ignorieren. Die entsprechenden Regeln der Unterscheidung beziehen sich auf solche Dinge wie Schrift und Sprache, körperliche ethnische Merkmale, und erstrecken sich bis hin zu typischen Speisen, Musik, Gesten und Farben.

Das macht natürlich alles mögliche Alltägliche, beispielsweise Straßenverkehr und Feuerwehreinsätze, ziemlich kompliziert, und erst recht Politik und Geschäftsleben und eben auch Verbrechen, wenn wie im vorliegenden Fall eine amerikanische Archäologin als Gast in Ul Qoma wohnt und dort an Ausgrabungen teilnimmt, deren Leiche aber in Besžel gefunden wird.

Die Einhaltung der Trennung überwacht eine unheimliche Macht namens ›Breach‹ (auf Deutsch ›Ahndung‹). Breach ist nicht nur die Bezeichnung für die Straftat der Grenzverletzung selbst, sondern auch der Überwachungsinstanz, ihrer Mitarbeiter, ja der zwischen/über dem Zweistadtgefüge liegende Ort des ›Bruches‹, des ›Risses‹ wird so genannt. Und vor Breach haben alle Bewohner von Besžel/Ul Qoma große Angst, denn die Breach-Angehörigen verfügen über immense Macht und ihnen entgeht nichts was in den beiden Städten geschieht. Das mindeste, was im Roman einer Person die einen Breach begeht widerfährt, ist, dass sie in einen tiefen Schlaf versetzt wird, der andauert, bis der Delinquent des Landes verwiesen wurde. Doch das ist noch milde, denn für gewöhnlich verschwinden Breach-Missetäter spurlos und für immer.

Wie es sich für einen Miéville-Roman gehört, spielen politische Gruppierungen eine wichtige Rolle und es gibt viele gelungene Schilderungen von Besonderheiten unterschiedlicher Milieus. Also uffbasse: dieser Roman legt es darauf an, uns Leserinnen schwindlig zu machen, auch mit all diesen Vetracktheiten ein wenig Beklemmung einzuflößen. Wer sich darauf einlassen mag, kann ein Hirnsausen erleben, mit dem auch die  Bewohner der Doppelstadt ständig zu ringen haben dürften.

Der erste Teil des Romans ist in Besžel angesiedelt, und unter anderem begleiten wir Tydor Borlu zu einer Komitee-Sitzung , bei der entscheiden werden soll, ob man wegen des Mordes an der Unbekannten Breach beschwören soll. Wir lernen Besžel-Faschos von den ›True Citizens‹ und linksgesinnte Vereinigungs-Aktivisten kennen. Wir erleben, welche Umstände ausländische Besucher verursachen und erdulden müssen, und bestaunen den größten zwie-städtischen Grenzübergang Copula Hall.

Ul Qoma steht im Mittelpunkt des zweiten Teils, und ein wichtiger Schauplatz ist hier eine archäologische Grabungsstädte, auf der ein internationales Forscherteam arbeitet. Dramaturgischen Steigerungsschwung erlangt die Handlung durch Borlus Besucherstatus, und durch seine Zusammenarbeit als Berater für den Ul Qoma-Ermittler Quissim Dhatt. — Der Roman beginnt recht sachte und scheinbar krimi-gewöhnlich, steuert jedoch mit einem wundervollen Spannungsbogen auf einen chaotisch-fulminanten Höhepunkt zu.

Richtig gut finde ich Phantastik nicht etwa dann, wenn sie mir Wohlfühlträumerei ermöglicht, sondern wenn sie meinen Assoziationsmotor auf Touren bringt. Der Weltenbau und die Geschichte von »The City & The City« ermunterten mich zu aufregenden Gedankenspaziergängen über Phänomene zur Definition, Beachtung und Missachtung von Grenzen und Ausgrenzung, Wahrnehmung, kollektiver und individueller Identität und Erinnerung. Der Roman sensibilisiert, (wieder) darauf zu achten, was man selbst in seiner Umgebung ausblendet, oder was Mitmenschen, die man beobachtet, im öffentlichen Raum willentlich übersehen. Es ist erstaunlich und leicht verstörend zu bemerken, wie viele unsichtbare Barrieren unsere moderne Lebenswelten durchziehen, hinter denen fremdartig wirkende, Alte, Kranke, Beeinträchtigte und andere Menschen verschwinden. Achtet mal darauf, wo sich Vergrämungsmittel und Absperrungen in eurer Stadt nicht etwa gegen Tauben und anderes tierisches Ungeziefer, sondern gegen Obdachlose und sonstige unerwünschte Personengruppen richten. Wer wie ich in einer Service-Branche arbeitet, kennt vielleicht die sanfte Verpflichtung als Grüßaugust zu fungieren, und zu verinnerlichen, wer z. B. beim Kommen und Gehen in einem Empfangsbereich gegrüßt werden will, bei wem (wegen Morgenmuffeligkeit oder Dauertelefonieren mit Kopfhörern) ein Nicken reicht und wer sich tunlichst darum bemüht mit einer Empfangskraft gar nicht erst Blickkontakt aufzunehmen, weil das Zur-Kenntnis-Nehmen eines Mindestlohns-Dienstleistungs-Deppen bereits eine soziale Zumutung bedeutet.

Eine kürzere Version dieser Besprechung erschien ursprünglich im Mai 2009 in meinem alten Blog. Mittlerweile gibt es seit 2018 von »The City & The City« eine Verfilmung als vierteilige Mini-Serie für BBC Two und die ist (was mich ein wenig freudig überrascht) sogar im deutschen Fernsehen versendet worden und ist seit Februar 2019 auch als VOD und DVD erhältlich. Letzte Woche im Urlaub hab ich diese Adaption gesichtet und kann verkünden: durchaus gelungen und eine empfehlenswerte Erstkontakt-Möglichkeit für die seltsamen Welten von China Miéville. Freilich konnte vom sprachlich-semiotischen Chaos des Szenarios nur das für die Krimi-Handlung wichtige umgesetzt werden, und die Erzählung konzentriert sich vor allem auf das emotionelle Auf und Ab der Hauptfiguren, aber den atmosphärisch-thematischen Kern der Geschichte hat man gut einfangen und das komplexe räumliche, politische und kulturelle Durcheinanders der Städte hat man sehr geschickt und mit viel Liebe zum Detail veranschaulicht. Zudem freut mich, wie hier Schauspieler David Morrissey (bekannt als ›The Governor‹-Bösewicht in Staffel 3 und 4 von »The Walking Dead«) glänzt, zudem er sich in einer Fragerunde zur »The City & The City«-Verfilmung als begeisterter Miéville-Fan outet.

The City & The City_Episode 2_Miéville Cameo.png
Miéville-Cameo in Episode 2 der »The City & The City« Mini-Serie.

Die kluge SF-Kritikerin und Herausgeberin (»Clarkesworld Magazine« und »Emerald City« Fanzine) Cheryl Morgan bringt den Wert von China Miévilles Schöpfung in ihrem Blogeintrag zum Roman sehr gut auf den Punkt:

People will get themselves all mixed up over the presence or absence of fantastical elements {… whether it is actually a science fiction or fantasy book at all}. And that will be magnificently ironic because the book is all about our obsession with categorization. {…} While the book is obviously about multiculturalism, the same argument can be extended to issues such as gender, and even to fandom. {…} Ah well, maybe China will manage to get a few more people to think. {…} And obsession with categories is a dangerous thing.

Molo-Übersetzung:

Über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von phantastischen Aspekten, {… und ob es sich bei dem Roman nun eigentlich überhaupt um Science Fiction oder um Fantasy handelt …} werden sich die Leute in Debatten verstricken. Das ist wunderbar ironisch, denn das Buch spricht die ganze Zeit über unsere Obsession was Kategorisierungen betrifft. {…} Obwohl sich das Buch offensichtlich mit Multikulturalismus auseinandersetzt, lässt sich sein Hauptanliegen auch auf solche Themen wie Geschlecht, ja sogar Fandom anwenden. {…} Nun ja, vielleicht schafft es China ja, mehr Leute zum Denken zu bringen. {…} Es ist gefährlich von Kategorisierungen besessen zu sein.


China Miéville: »The City & The City« (2009), 312 Seiten; Macmillan (gebundene UK-Ausgabe); Pan (UK-Taschenbuch 2011); Übersetzt von Eva Bauche-Eppers bei Bastei Lübbe (Deutsche Taschenbuch-Ausgabe 2010); Pandastorm DVD (BBC-Miniserie 2018, ca. 240 Minuten).

54 Fragen über Bücher und Literaturgeblogge

Ich bin mal voll die Sau und klaue einen Fragebogen, den die Heldinnen und Recken von »54books« (von denen ich einigen auf Twitter folge) für »mojoreads« beantwortet haben. Hab heut schon früh begonnen weiter meine Bude aufzuräumen, dann lang zu einer Wahnsinns-Compilation angezappelt und musste danach auch meinen Geist entrümpeln.


1. Was verbindet oder unterscheidet deine Rezensionen auf ›molochronik‹ & ›molochronik reloaded‹ von denen in klassischen Feuilletons?
— Ich muss mich nicht nach einer gewünschten Längenvorgabe ausrichten, kann machen, was ich will, schreiben wie ich will (oder wie es mir eben gelingt).

2. Wie entscheidest du, welche Titel du besprichst?
— Interesse, Laune, und ob ich mir den Titel leisten kann.

3. Schreibst du auch Verrisse oder schweigst du Bücher, die du nicht magst tot?
— Schreib auch Verrisse, achte aber darauf, dass ein Verriss Relevanz in sich birgt und nicht einfach nur Mießmach-Fun liefert.

4. Bekommst du ungefragt Bücher zugeschickt, wenn ja, in welchem Ausmaß?
— Höchstens als Überraschungs-Geschenk von lieben Menschen. Von Verlagen oder Agenturen unverlangt eingeschickte Bücher würde ich prinzipiell nicht besprechen.

5. Wer ist die Person, wer sind die Personen, deren Bücherempfehlungen du ohne Nachdenken annimmst?
— Ohne Nachdenken geht bei mir so wie gut gar nix. Aber es gibt eine Reihe von Leuz, deren Urteil ich vertraue.

6. Was ist dein liebstes Buch aller Zeiten?
— Möglicherweise der »The Scar« von China Miéville.

7. Was ist bislang dein Lieblingsbuch 2018?
{Guckt in seiner Goodreads-Jahresübersicht nach}: Womöglich »Kanaillien-Kapitalismus — Eine literarische Reise durch die Geschichte der freien Marktwirtschaft« von César Rendueles. Eine Buch gewordene Granate. Extrem gut lesbar und sehr fein holistisch gedacht und gefühlt. Bestätigt eine langfristige Grundannahme von mir, das wir nicht artgerecht gehalten werden vom Kack-Kapitalismus.

8. Was wäre dein Buchtipp für Ausgebrannte?
— Die vier klassischen Witzebild-Bände von F. K. Waechter bei Diogenes: »Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein« (1978); »Es lebe die Freihei«* (1981); »Männer auf verlorenem Posten« (1983); »Glückliche Stunde« (1986). Haben noch nie verfehlt, mich zu trösten und zum Schmunzeln zu bringen, wenn ich sehr niedergeschlagen bin.
* das fehlende ›t‹ ist kein Tippfehler.

9. Was war dein Lieblingsbuch als Kind?
— War als Kind zu unruhig um Bücher wirklich zu lesen, habe aber sehr gern im 24-bändigen großen Bertelsmann-Lexikon geblättert (12 Bände alphabethische Enzyklopädie, 12 Themen-Bände a la »Länder, Völker, Kontinente«, »Geschichte«, »Literatur«, »Technik«, »Naturwissenschaft«, »Flora und Fauna«) … vor allem wegen der Bilder, Risszeichnungen usw.

10. Dein Lieblingsbuch als Teen?
»Der Name der Rose« von Umberto Eco. Bis heut eins meiner Allzeit-Lieblingsbücher, und sicherlich der Roman, den ich am öftesten gelesen/gehört habe.

11. Was ist ein Kult-Buch, das dich kalt lässt?
— Da gibt’s einige, z.B. »On the Road« von Jack Kerouak, oder »Der kleine Prinz« von Antoine de Saint-Exupéry.

12. Wie viele Bücher besitzt du?
— Ca. 57,4 Meter.

13. Welches ist das am schönsten gestaltete Buch, das du besitzt?
»Codex Seraphinianus« von Luigi Serafini.

14. Was ist ein Klassiker?
— Kommt darauf an, von welchen oder wessen Klassikern wir sprechen, denn es gibt Klassiker der etablierten Deutungshoheits-Priester, Klassiker der Gegenkultur, vergessene Klassiker und und und (siehe auch Frage 17). Hochtrabend angesetzt: ein Klassiker ist im besten Falle ein Werk, dass sich über seine unmittelbare Zeitgenossenschaft und Zweckgebundenheit hinaus ein gerüttelt Maß an Relevanz bewahrt hat, sei es als Zeugnis der Vorstellungskraft, der Auffassungs- und Beobachtungsgabe, der sprachlichen oder künstlerischen Artistik, des gesellschaftlichen Engagements usw.

15. Wann hast du dein erstes E-Book gelesen?
— Ich glaub, mein erstes eBook war »L. A. Noir: The Collected Stoies« mit Geschichten von Megan Abbott, Lawrence Block, Joe R. Lansdale, Joyce Carol Oates, Francine Prose, Jonathan Santlofer, Duane Swierczynski und Andrew Vachss, herausgegeben von Jonathan Santlofer und mit einer Einleitung von Charles Ardai aus dem Jahr 2011 — da hab ich das wohl auch gelesen. Wahrscheinlich das Progressivste, was der Videospiele-Entwickler Rockstar je unter die Leuz gebracht hat.

16. Was war dein prägender Verlag?
— Ohne Zweifel der Haffmans Verlag in seiner ursprünglichen Form, mit seinem ›Magazin für jede Art von Literatur‹: »Der Rabe«.

17. Glaubst du an den Kanon?
— Wiederum (siehe Frage 17) erlaube ich mir die Gegenfrage: »Wessen Kanon?«. Freilich ›glaube‹ ich daran, dass es einen Bestand bedeutender, bemerkenswerter und relevanter Werke gibt, die man gelesen haben ›sollte‹, um ein besserer Leser, Schriftsteller oder einfach nur Mensch zu werden. Aber es ist sicherlich Blödsinn, unumstößlich und für alle Zeiten fix bestimmen zu wollen, aus welchen Werken dieser Zirkel sich genau zusammensetzen sollte, denn es ist auch Rücksicht zu nehmen auf die jeweils individuelle Lektüre-Wanderung eines Lesers, und welche Bücher wann für jemanden die förderlichste Seelen-, Verstandes- und Horizont-Erweiterung zu bewirken vermögen.

18. Was ist dein Lesegetränk?
— Was grad da ist um mich sitt zu machen.

19. In welcher Haltung liest du?
— Wach. Meistens sitzend, nicht ganz so oft liegend. Ab und zu auch gehend (vor allem, aber nicht nur, bei Hörbüchern).

20. Auf welchem Gerät liest du E-Books? Mit welcher App?
— iPad, überwiegend Kindle.

21. Lösen Lesebändchen Gefühle in dir aus?
— Anerkennungswertschätzung wegen der Nützlichkeit. Verzückungen überkommen mich erst bei Büchern, die zwei Lesebändchen haben (eins für den Haupttext, eins für den Anhang-Apparat).

22. Nutzt du Bibliotheken, wenn ja, welche?
— Die Bibliotheken meiner Stadt, also seit vielen Jahren der von Frankfurt am Main. Zentrale Stadtbücherei, Unibibliothek und wenn ich sonst an was nicht rannkomme Deutsche Nationalbibliothek. Nicht zu vergessen die Bestände digitaler Bibliotheken. Beispiel gefällig?

23. Was war deine gelungenste Rezension?
— Ich hab ein unentspanntes Verhältnis zu meinen eigenen Texten, bin aber durchaus Stolz auf mein zweiteiliges Portrait »Die wilden Welten von Matt Ruff« (Werksübersicht und Interview), sowie weiterer längerer Rezensionen, die ich für »Magira – Jahrbuch zur Fantasy« von 2003 bis 2010 geschrieben habe.

24. Hattest du schon mal einen Shitstorm, wenn ja, wofür?
— Nicht, dass ich mich erinnern kann.

26. Womit verdienst du dein Geld?
— Als Sicherheitsdienstleistung-Depp der Besucherkärtchen schreibt und Schranken-Knöpfchen drückt. Derzeit in Burnout-Auszeit.

27. Beschreibe das sich wandelnde Image von Literaturblogger*innen
— Die Frage überfordert mich. Ich kann höchstens die Gelegenheit nutzen meiner Sorge darüber Ausdruck zu verleihen, dass es eingedenk der aufmerksamkeitszerstreuenden Social-Media-Gehege, Selbstvermarktungs- und Ausbeutungs-Praktiken, Wohlgeneigtheits-Abhängigkeiten und allgemeiner Blödmaschinenhaftigkeit unserer Konsum-, Wegwerf- und Unterhaltungsgesellschaft nicht leichter geworden ist, den eigenen und allgemeinen Verfall entgegenzuwirken, oder dass diese Rahmenbedingungen für nervöse Kontemplation, rabiate Toleranz und exhibitionistische Introvertiertheit — wesentlichen Vorraussetzungen für hochwertigeres, offenes und gemeinschaftliches Denken und eben auch Babbeln über Literatur — abträglich sind.

28. Schreibe unzensiert die ersten zehn Autor*innen auf, die dir einfallen
— Ich nehm welche, die ich hier bei anderen Antworten noch nicht genannt habe: Neil Gaiman, Annie E. Proulx, Philip K. Dick, Zadie Smith, Neal Stephenson, Molly Crabapple, Thomas Pynchon, Terry Pratchett, Mervyn Peake, Laurie Penny.

29. Was ist für dich 2018 bedeutender: Zugänglichkeit der Kunst oder Autonomie der Kunst?
— Das ist ’ne Fangfrage, oder? Ich beantworte sie, wenn wir die derzeitigen gesellschaftlichen Krisen und Gräben überwunden haben und sich wieder angemessene Musenhaftigkeit eingefunden hat, um sich so einer Frage wirklich ungetrübt widmen zu können.

30. Hast du schon mal mit einer Rezension einem Buch zu spürbar mehr Erfolg verholfen?
— Da ich keine Einblicke in die Verkaufszahlen von Verlagen habe, und mich nicht um Klick- und Trackback-Schmarrn kümmere, ist es mir nicht möglich diese Frage zu beantworten. Ich habe im Lauf der Jahre allerdings einige Rückmeldungen bekommen, dass ausgerechnet ich Leuz den Weg zu bestimmten Büchern gewiesen habe und sie mir zum Teil extrem dankbar dafür sind (was mich sehr durcheinander bringt, weil ich verklemmter eitler Wicht mit Minderwertigkeitskomplex gehörig Probleme mit Komplimenten habe).

31. Besprichst du zu viele männlichen Autoren?
— Welcher Mann tut das nicht? Ich bemühe mich um Besserung.

32. Verdient man beim Bloggen an irgendeiner Stelle Geld?
{lacht prustend}

33. Wie bist du zu molochronik / molochronik reloaded gekommen?
— Zur ›molochronik‹ bin ich gekommen, weil meine damalige Partnerin antville entdeckt hat, und ich ihr (wie oftmals) bei dem Klugen, Schönen und Anregenden das sie unternahm, folgte. — Zu ›molochronik reloaded‹ bin ich erst vor kurzem gekommen, als ich im Zuge eines akuten Burnouts krankgeschrieben wurde (und zum Zeitpunkt, da ich dies schreibe, immer noch bin), und seit Jahren zum ersten mal wieder meine Kreativität produktiv fließt. Da die alte Tante antville leider inzwischen eine für mich ungeeignete Bedien- und Eingabeoberfläche hat, entschied ich mich für einen Neustart bei WordPress.

34. Wer und was bereichert dich im Internet?
— Zuviel.

35. Wer und was stiehlt dir im Internet die Zeit?
— Alles.

36. Welche Funktionen muss ein Internet-Shop für Bücher und E-Books haben, um für dich als Blogger*in interessant zu sein?
— Simpel: Die Bücher liefern zu können, die mich interessieren und die ich haben will, zu einem Preis, den ich mir leisten kann.

37. Welche Funktionen muss ein soziales Netzwerk rund um Bücher und E-Books haben, um für dich als Blogger*in interessant zu sein?
— Für Consulting verlange ich Gegenleistung, also beantworte ich diese Frage erst, wenn eine entsprechende Willensbekundung vorliegt. Grober Trailer: solange der Erwerb einer solchen Plattform vornehmlich auf Werbegeldern oder monetärer Verwertung von Teilnehmer-Daten gründet, kann sie nichts taugen, sondern nur Teil einer Fabrik zur Herstellung von Stupidität, Apathie und galoppierender Ignoranz sein. Und jede Art von Social Media braucht gute, fachkundige Moderation, und die kostet entweder Geld (»Wie macht man in der Buchbranche mit ambitionierten Projekten ein kleines Vermögen? Aaalso, man nehme ein großes Vermögen …«), bzw. verlangt Selbstausbeutung. Aber vielleicht verstellt mir mein pöser Hang zum Pessimismus die Sicht.

38. Zu welchem Shop oder zu welcher stationären Buchhandlung verlinkst du aktuell, wenn du ein Buch oder E-Book besprichst?
— Gar keinen.

39. Was ist deine Lieblingsbuchhandlung?
— Vor Ort: Terminal Entertainment für Comics und Graphic Novels; Karl Marx Buchhandlung für alles andere.

40. Wo kaufst du wirklich deine Bücher und E-Books? Bitte in der Reihenfolge der Frequentierung aufzählen.
— Ich schwacher Konsum-Zombie kauf bei Amazon, allerdings nur Sachen, die sonst zu kostspielig für mich sind (beispielsweise teure Sammelbände von Comics/Graphic Novels, oder ›Art of‹– und andere Pracht-Bildbände).

41. Kommst du aus einem Lesehaushalt?
— Mein Vater ist ein klassischer lesender Arbeiter, der seit ich mich erinnern kann, Krimis, Western, Sachbücher über Natur und fremde Länder und dergleichen ließt. Meine Mutter (im Lauf der Jahrzehnte Tausendsassarin in zig unterschiedlichen Jobs und Hausfrau und Mutter/Oma ist) hat die größte Sammlung an Kochbüchern aller erdenklichen Art, die ich je gesehen habe.

42. Wenn du Verwandte unter 18 hast, lesen diese?
— Soweit ich weiß nicht. Wenn dann nur für die Ausbildung oder den Job.

43. Geschätzte Lesezeit in Stunden pro Tag?
— Im Durchschnitt um die zwei bis vier Stunden. Oftmals lese ich nebenbei, während Musik oder Dokumentationen/Audiokommentare laufen.

44. Unterscheidest du heimlich zwischen gutem Bücher- und schlechtem Social-Media-Lesen?
— Nö, ich treffe diese Unterscheidung unverblümt ganz offen.

45. Liest du genug Bücher?
— Ich lese wahrscheinlich zu viel und sollte mehr aus dem Haus und unter Leuz. Auf jeden Fall lese seit vielen Jahren mehr als gut für mich ist.

46. Hast du in den letzten Jahren Probleme, dich auf Bücher bzw. überhaupt längere Texte zu konzentrieren?
— Kommt auf die Texte an. Bei umfangreicheren Büchern mach immer schon gern mal Pausen, auch längere.

47. Auf wem oder was liegt deine literarische Hoffnung?
— Ich leb derzeit alleine, also lieg ich auf niemanden. Ich habe aber in den letzten Jahren begonnen, mich vermehrt darum zu bemühen, Autorinnen zu lesen und z.B. die oben (siehe Frage 28) genannten Frauen haben meine Lektüren ungemein bereichert. Ich bewundere es, wie die jüngste Welle feministischen Schreibens verschiedenste extrem wichtige Impulse geschickt miteinander verflicht: Frust und Wut Ausdruck verleihen, Kritik an der Kaputt- und Niederträchtigkeit der patriarchalen Weltordnung üben (unter der auch Männer leiden), sich unverzagt für eine bessre Welt einsetzen, die von den Siegern geschriebene Historie korrigieren ect. pp. ff.. Ja, all das macht mir durchaus Hoffnung.

48. Welche Literatur-Preise sind noch relevant?
— Müsst ich länger nachdenken, aber ich achte nicht wirklich auf Literatur-Preise. Oh, doch! Ich lese gerne das kurzweilige Geschnatter, zu dem sich einige geistreiche Menschen während des Klagenfurter Wettlesens hinreissen lassen.

49. Sollte man, um Autor*in zu werden, an einem Literaturinstitut studieren?
— Wenn man sich in noch größere Gefahr begeben will, sich Stil und Denke zu versauen, als dies ohnehin schon der Fall ist: Ja.

50. Welche Monetarisierungsmöglichkeit für Blogs erscheint dir am passendsten und realistischsten?
{Grinst verlegen und zuckt die Schultern}

51. Gibt es Kontexte, in denen du nicht erzählst, dass du Blogger*in bist?
— Meistens: beim Einkaufen, wenn ich in ‘nem lecker Eis-, Halal-Baguette, Thai- oder Döner-Geschäft Essen bestelle usw..

52. Die besten drei Literaturblogs außer Deinem?
— Meine Blogs sind eh nicht sooo dolle. Hier aber drei Blogs die mir einfallen, die sehr interessante Ansätze verfolgen:

  • Auch wenn nirgendwo ›Blog‹ steht, wird »The Dark Mountain Project« (@darkmtn bei Twitter), soweit ich sehe, mit einer Blog-Obertfläche (ich glaub WordPress) betrieben und lässt sich auch so lesen und sogar kommentieren. Beispielsweise die Essay-Sammlung »Rewilding the Novel« ist ungemein spannend.
  • »The Untranslated« (@TheUntranslated bei twitter) kümmert sich um Literatur, die es (noch) nicht auf Englisch gibt, und fördert damit für mich immer wieder erstaunliche Gemmen zutage (eine der wenigen Seiten im Netz, wo ich etwas Kluges über meinen vergessenen Helden Giorgio Manganelli gefunden habe). Der oder die Betreiber*in pflegt z.B. das ergiebigste, zugänglichste und beständigste mir bekannte »Zettel’s Traum«-Leseprotokoll (nach der Übersetzung von David E. Wood). Was sagt das über die deutsche Blog-Landschaft (oder meine Kenntnis derselben)? — Die Art, wie z.B die »Zettel’s Traum lesen«, oder das vom Suhrkamp Verlag selbst angestoßene »schauerfeld« kläglich im Sande versickert sind, ist ein Musterbeispiel für die Verzagtheit, Diskussions-Unfähigkeit und allgemeine Befangenheit unserer Literatur-Szene.
  • Und langfristig am treuesten bin ich »Arts & Letters Daily«, quasi einer englischsprachigen Version des Perlentauchers. Ist aber, was wohl der Größe des Sprachraums geschuldet ist, eben deutlich ergiebiger für mich, als etwaige deutsche Seiten.

53. Liest du ein Feuilleton, wenn ja, welches?
— Ich les querbeet alle möglichen Feuilletons die ich in die Bratzen bekomme. Ich lese dabei oftmals kopfschüttelnd und/oder resignativ seufzend.

54. Was versuchst du, Lesenden in deinen Texten zu vermitteln?
— Abgesehen davon, dass ich seit über 30 Jarhen an einer eklektisch-extenzischen Großraumphantastik-Philosophie bossle? Freude am Lesen und ziellosem Erkunden und wonniglichem Sich-Verirren und -Wiederfinden. Mut machen zum In-Frage-Stellen und Überschreiten und Überbrücken von vermeintlich heiligen Grenzen zwischen U und E, realistisch und phantastisch. Und nicht sauer zu sein, wegen meiner notrischen Tippfehler-Schwäche und zugegeben verquast-überspannten Denke.

Burnout-Link-Tipps — #3

Dritte Lieferung der (fast) täglichen kulturellen Link-Bonbons, die mir Freude machen und Kraft spenden und die ich seit meinem Burnout-Zwischenfall mit ›meinen Leuten‹ in einer kleinen Privatmitteilungs-Gruppe bei Twitter teile.


Sonntag, 25. Nov.: Die Youtube-Essays von habe ich in den letzten Wochen entdeckt. So ziemlich alles, was ich seitdem von ihm geguckt habe, lohnt sich. Dieser Zweiteiler über das ›Œvre‹ von Michael Bay stellt für mich eine große Herausforderung dar (im Guten!). Immerhin ist es für Leute mir mehr als drei im Schädel herumkullernden Hirnkrümeln quasi ein Ding der Unmöglichkeit, Bays Werke gut zu finden, selbst wenn man seine nicht zu leugnenden handwerklichen Qualitäten als Rambazamba-Meister anerkennen kann. Willams hat es aber durch seine Deutung dieser Filme geschafft, mir ein Quäntchen mehr Respekt für Michael ›Little Fincher‹ Bay einzuflößen. Abgesehen davon finde ich Bays aus der Reihe fallendes SF-Vehikel »The Island« immer noch sehr fein, und auf eine perverse Art begeistert mich sein jüngster Transformers-Flick »The Last Knight«, sowie seine verstörend entzückende Gebrüder Coen-Homage auf Amphetaminen‹ »Pain & Gain«.


Montag, 26. Nov.: Auf den heutigen Link-Tipp bin ich vorgestern von aufmerksam gemacht worden. (Jupp, ich wage es langsam wieder, mich im offenen Twitter herumzutreiben, z.B. indem ich mich traue, ab und zu in meine offene Twitter-Liste ›Arkadische Guerilla—GEFILDE‹ zu gucken).

Ich weiß nicht genau, seit wann mich Gebärdensprache fasziniert, womöglich seit ich z.B. »Gottes vergessene Kinder« (1986) gesehen habe. »Das stille Kind« (OmU) von Chris Overton hat dieses Jahr den Oscar für ›Best Short Film (Life Action)‹ gewonnen und ist noch bis 21. Februar 2019 bei Arte online zu sehen.

The Silent Child


Dienstag, 27. Nov.: Ich hab »NSA — Nationales Sicherheits-Amt«, als es frisch in den Läden lag, nach ca. 30 Minuten wieder zugeklappt und mir nix groß dabei gedacht, außer, dass Andreas Eschbach in meinen Augen seit je an allen vier Zeilen von Robert Gernhardts ›Lyrik-Qualitäts-Check‹-Gedicht scheitert.

(Zur Erinnerung:
»Gut gefühlt.
Gut gefügt.
Gut gedacht.
Gut gemacht«.
)

hat in seinem Blog »54books« die krassesten Verfehlungen (des Autors Eschbachs, seiner Probeleser, Lektoren, und schließlich der Kritiker*), die zu sowas wie diesen Nazi-Uchronie-Porno führen, benannt: »Nazi-Kitsch, Internetkritik und sexuelle Gewalt oder warum dieser Roman einen Skandal auslösen müsste« . Es hat mich ungemein beruhigt, dass ›meine‹ Experten bei SF-Netzwerk den Roman überwiegend langweilig und enttäuschend fanden.
*Denis Scheck hat NSA empfohlen! Macht mich jetzt noch fassungslos.


Mittwoch, 28. Nov.: Nach all dem ›heavy stuff‹ den ich letzter Zeit hier verbreitet hab, ist es Zeit für eine Runde kuriosen Spaß mit dem stets großartigen ›Movie Bob‹ Chipmann und seiner atemlosen Übersichts über Handlung & Entstehung des ersten echten Marvel-Multi-Crossover-Flick, den es in den 80ern fast gegeben hätte.


Donnerstag, 29. Nov.: Heutiger Tipp des Tages ist wieder heftig, aber um’s ›etwas‹ lockerer zu machen, lass ich euch an einem meiner typischen Internet-Trips teilhaben.
Also, bei mir babbeln derzeit nebenbei die Audiokommentare von »Game of Thrones«, in diesem Fall von Staffel 2 (aus der glorreichen Stadtbücherei Ffm entliehen), und erfahre beim Plausch von Ian Cunnngham (Davos Seaworth) & Carice van Houten (Melisandre, und ich war beeindruckt von ihrer Rolle in Paul Verhoevens »The Black Book«), dass die beiden sich schon von einem Dreh in Südafrika kennen.

Ich so: »HÄ?«

Recherchier also und finde den Film »Black Butterflies« (2012), der gute Kritiken, Preise und alles hat, inkl. einer großen Nebenrolle von Rudger ›Schauspiel-Gott‹ Hauer!!!

»Warum hab ich noch nie von dem Film gehört?«, denk ich mir.

Warum gehts? Leben und Sterben (empörend tragisch! Zwangseinweisung in Klapse durch Herrn Papa, Elektroschick-Therapie, Selbstmord) der südafrikanischen Dichterin Ingrid Jonker, (1933–1965), die zu Lebzeiten nur zwei schmale Lyrik-Bände veröffentlichen konnte.
Und wodurch wurde dann Ingrid Jonker zur Zeit meiner Generation weltberühmt?
Nelson Mandela hat seine erste »Rede zur Lage der Nation« als frischgewählter Präsident von Süd-Afrika am 24. Mai 1994 mit einer großen Verbeugung vor Jonker eröffnet, unter anderem mit einem langem Zitat aus ihrem bekanntesten Protest-Gedichtes »Die Kind« (1960)  (nicht verwirrt sein! Jonker schrieb ihre Gedichte auf Afrikaans und da heißt es nun mal ›die Kind‹ statt ›das Kind‹). Auf der wundervollen niederländischen Website »Muurgedichten« kann man das ganze Gedicht in verschiedenen Sprachen — auch auf Deutsch — finden.

Beim weitern Rumlesen zu den »Black Butterflies«-Darsteller*innen bin ich auf eine frühe Rolle von van Houten gestoßen: »Die geheimnisvolle Minusch«, den ich schon seit ewig mal sichten will und mir später heut Abend zur Erholung gönnen werde. — Nachtrag: der Film ist doll! Bietet alles, was man sich von einem guten, frechen, herzigen, phantastischen Kinderfilm erwarten sollte.

Archive: #7Days7Covers / Archiv: #7Tage7Bücher

EN: Here all my tweets for the #7Days7Covers challenge — no explanation, no nomination.

DE: Hier alle meine Tweets für die #7Tage7Bücher-Herausforderung — ohne Erklärung, ohne Nominierung.

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»The Chatto Book of Dissent« by/von @MichaelRosenYes & David Widgery; Chatto & Windus, 1991; Cover art by/Umschlags-Illustration von Julian Abela-Hyzler.


»Omegabet« {»Nuovo commento«} by/von Giorgio Manganelli; Verlag Klaus Wagenbach, 1970; Cover art by/Umschlags-Illustration von Takahashi Shohachiro.


»Against the Day« by/von Thomas Pynchon; Vintage Books, 2007; Cover art by/Umschlags-Illustration von Yoko Kondo.


»Der Blaue Kammerherr« by/von Wolf von Niebelschütz; Haffmans Verlag 1990; Cover art by/Umschlags-Illustration von Nikolaus Heidelbach.


»Generation X« by/von @DougCoupland; Abacus 1992; Cover art by/Umschlags-Illustration von @PaulBatemanillo.


»Der Herr der Ringe« {»The Lord of the Rings«} by/von J. R. R. Tolkien; Büchergilde Gutenberg, 1984; Cover art by/Umschlags-Illustration von H. Thomas.


»Books of Blood« by/von @RealCliveBarker; Sphere Books Omnibus Edition, 1988; Cover art by/Umschlags-Illustration von Clive Barker.

Burnout-Link-Tipps — #2

Zweite Lieferung der (fast) täglichen kulturellen Link-Bonbons, die mir Freude machen und Kraft spenden und die ich seit meinem Burnout-Zwischenfall mit ›meinen Leuten‹ in einer kleinen Privatmitteilungs-Gruppe bei Twitter teile.


Donnerstag, 15. Nov.: Ich bin zwar noch nicht durch mit »Kanaillen-Kapitalismus — Eine literarische Reise durch die Geschichte der freien Marktwirtschaft« von César Rendueles, aber ich traue mich jetzt schon verkünden: ein sehr lesenswertes, kluges, emphatisches und kurzweilig-zugänglich geschriebenes Buch.

Im zweiten Kapitel — zur Heraufkunft des Lohnarbeitsmarktes in der ›heroischen Phase‹ des industriellen Kapitalismus — findet sich das Gedicht »Beschreibung der Lüge« von Antonio Gamoneda, eigentlich ein Text über Depression, das aber eben auch sehr gut die Ausgepumptheit von jemanden in Worte fasst, der als Lohnsklave in einem unbefriedigenden Job vor sich hin darbt.

Kanaillien_Kapitlasmus


Freitag, 16. Nov.: Der heutige Link-Tipp beschäftigt sich mit einem der besten Filme, die ich je gesehen habe: »Mad Max: Fury Road«. Der kluge Medien- & Gesellschafts-Kritiker hat einen hinreissend klar argumentierenden, achtteiligen Video-Essay zu dem Film gestaltet. Auch wenn man vielleicht zwischendurch glauben mag, dass er — trotz einer Fülle kluger Einzelbeobachtungen — beim großen Bogen nie wirklich zu Potte kommt, rate ich dazu: bleibt am Ball! Es ist geradezu spektakulär, wo er am Ende ankommt. Erlebe ich selten, dass jemand einen Film so gut belegt zu lesen, und seine Interpretation auch plausibel auszudrücken vermag. Viel Spaß!

Nicht ganz uneitel meine Empfehlung, weil ich mir irr schlau vorkam, dass außer mir noch jemand anders ‘ne ganze Reihe wichtige Details bei »Fury Road« bemerkt hat, z.B. die beiden Taschen (eine mit Todes-Samen, eine mit Wachstums-Samen), der Gegensatz von vertikal & horizontal organisierter Macht, wie viel Charakter-Beschreibung in die ersten Kameraeinstellungen bei der Vorstellung der drei wichtigsten Figuren des Filmes eingebettet ist, u.v.m..


Samstag, 17. Nov.: Der heutige Tipp ist wieder einfach: »The Ballad of Buster Scruggs«, eine Western-Anthologie der Gebrüder Coen bei Netflix. Es gibt ja viel zu wenige Anthologie-Filme! Der hier hat alles, was man sich vom Western-Genre wünschen kann, und noch einiges darüber hinaus, worauf man nie gekommen wäre. Für mich womöglich ein neuer Top-5-Coen-Brüder-Film, aber definitiv einer ihrer besseren Streifen, wenn man es eben abwechslungsreich mag. Es gibt sechs Geschichten, die jeweils ein eigenes Western-SubGenre wiederaufleben lassen. — Die Episode mit Tom Waits als Goldgräber wirkt auf mich wie eine innige Studio-Ghibli-Homage. Unfassbar schön, aber auch ein wenig traurig, weil dabei großer GCI-Aufwand betrieben wurde, um unberührte Natur glorios zu inszenieren.

BTW: Meine bisherigen Top-5-Gebrüder-Coen-Filme? Hmmmm … chronologische Reihenfolge, ohne Wertung:
• »Barton Fink«
• »The Big Lebowski«
»O Brother, Where Art Thou?«
»A Serious Man«
»True Grit«


Sonntag, 18. Nov.: Bin zum Frühstück über diesen Vortrag von Drehbuchautor & Regisseur Charlie Kaufmann gestolpert. Wer mich halbwegs kennt, weiß, dass ich alle Kaufmann-Filme sehr verehre (»Being John Malkovich«, »Human Nature«, »Adaption«, »Confessions of a Dangerous Mind«, »Eternal Sunshine of the Spotless Mind«, »Synecdoche, New York«, »Anomalisa«). Neben David Lynch (der allerdings eine komplett andere Vibe bedient) ist er vielleicht der markanteste Vertreter einer Art von Phantastik, die mir persönlich sehr am Herzen liegt: traumgleich, fernab davon gewohnte Genre-Formeln zu befolgen, surreal, desweiteren unglaublich verletzlich, bescheiden & sensibel und dabei saukomisch, sowie sehr mutig dabei dem Publikum zuzutrauen mitzudenken/fühlen. Und :Kaufmanns Filme immer sehr verkopft und dialoglastig.


Montag, 19. Nov.: Heutiger Tipp: »Die berühmten Frauen der französischen Revolution 1789-1795« von Emma Adler, erschienen 1906. Nicht falsch verstehen! Nicht alles was ich empfehle, habe ich auch zur Gänze verköstigt. Seit jeher sind Tipps von mir auch eine Art Gedächtnisstütze. Zurück zu Emma Adler: natürlich bin ich …

  1. … prinzipiell angefixt, wenn es um Geschichten über die Französische Revolution aus ›Froschperspektive‹ geht; zudem
  2. freut mich als bekennender & auch ein wenig eitel-stolzer, sich selbst auf die Schulter klopfender SJW, speziell ein Werk über die Frauen der FranzRev gefunden zu haben, welches noch dazu
  3. in einer feinen Sprache geschrieben ist. Allen, die sich, im welchem Zusammenhang auch immer, schreibend auszudrücken trachten, rate ich seit jeher, möglichst querbeet zu lesen und nicht in einem kleinen Winkel der eigenen Geschmacksbratpfanne zu brutzeln. Und ältere Werke sind da ein wesentlicher und überwiegend erquicklicher Quell der Inspiration.
  4. Dann für mich ein kleiner Schock, dass ich erst jetzt über Emma Adler stolpere, die es soweit ich bisher einschätzen kann, verdient hätte, mehr zu sein, als ›die schreibende Gattin SPÖ-Gründer Victor Adler‹.

Dienstag, 20. Nov.: Fast hätt ich den heutigen Link-Tipp vergessen. Der kam per Post in Form einer Naturalien-Zahlung von einem meiner Netflix-Untermieter: »Deconstructing the Incal« von Christophe Quillien, Jean Annestay sowie mit Beiträgen der  ursprünglichen ›Incal‹-Comics-Schöpfer Alejandro Jodorowsky, Mœbius, Jenjetov und Ladrönn. Ursprünglich als »Les Mysteries de L’Incal« 2016 bei ›Humanoids et Associes‹ in Frankreich erschienen, gibt es diesen wunderschönen Band (mit Lesebändchen!!!) seit 2017 auch auf Englisch beim amerikanischen Schwesterverlag ›Hummanoids‹. Auf den 117 Seiten findet sich:

  1. Inside The Incal: The Revelation of the Books (The Incal; Before The Incal; After The Incal; Final Incal)
  2. Behind The Incal: Creators & Origins (Alejandro Jodorowsky; Mœbius; Zoran Janjetov; Yves Chaland; Ladrönn; Alejandro Jodorowsky’s Dune; The Creative Process; Improvisation; Collaboration; Frustration; Design; Re-Coloring; Dialogue; The Forgotten Page; Novel)
  3. The Black Incal vs. The Luminous Incal: Characters & Creatures (John Difool; Luz de Garra; Deepo; The Metabaron; Animah & Tanatah; Solune; Kill Wolfhead; Arhats; Barbariah; Protofather; Orh; Raïmo; Kaimann; Snailhead; Gorgo the Foul; Kolbo-5; Bergs; The Eyecop; Archangels; Elohim; The Psychorats; Anarchists; The Necrodroid; The President’s Hunchbacks; The Cardioclaw; Diacaloo; The Supra-Divinoid; Cybo-cops; The Supreme Highness; The Darkness; Gounas; The Benthacodon)
  4. Across The Incal: Timeless Worlds & Infinite Ephemera (Galaxies; The City-Shaft; Suicide Alley; The Acid Lake; Conapt; The Crimson Ring; Center Earth; The Great Nuptial Games; The Starship; Vhisky, SPV, and Horror-Whores; Amorine; Halo; Cocaloco)
  5. Beneath The Incal: Themes & Influences (The Tarot; Alchemy; Metamorphoses; Esotericism; Duplication; The Subconscious; Initiation; Genealogy; Patricide; Tintin; Dream; Truth; Friendship; The Big Secret; Social Organization; War; Revolution; Crime Fiction; Reality TV; Science Fiction)

Deconstructing the Incal


Mittwoch, 21. Nov.: Über das Musik-Projekt »Elif’n Hecesi« bin ich schon vor einiger Zeit gestolpert (wurde mir in youtube-Empfehlungen gespült). Dort hat man sich vorgenommen ›die Echos der Vergangenheit zu bewahren‹, dabei ist es den Musikern herzlich Wurscht, von wo … ob türkische, iranische, kurdische, bulgarische Musik, jeder ist willkommen. Im Hintergrund hört man manchmal das ferne Rumsen von Mörsern. Hier geht’s zur Video-Übersicht auf ihrem youtube-Kanal.

Ein wenig schwer, auf Deutsch oder Englisch mehr zu ›Elif’n Hecesi‹ (zur Patreon-Seite des Projekts) herauszubekommen, weil die Info-Texte größtenteils auf Türkisch sind und z.B. ›Google translate‹ veranschaulicht, dass frei verfügbare Übersetzungungs-Algorithmen noch weit davon entfernt sind, menschlichen Übersetzern eine Konkurrenz zu sein.

Hier das erste Video, über das gestolpert bin (sei die Katze!):

Burnout-Link-Tipps — #1

Beginnend mit Mittwoch, den 07. November 2018 — dem Tag meines Burnout-Zusammenbruchs — hier die ersten sieben meiner ›läppischen‹ Link-Tipps, die ich in meiner ›safe space‹-Twitter-PM-Gruppe »Arkadische Guerilla« geteilt habe. Das ist der Hauptzweck der Gruppe: weiterhin eine Möglichkeit zu haben mein Talent als querbeet gründelndes Trüffelschwein auszuleben, und Leuz, die eben dieses Talent von mir wertschätzen, mit meinen Funden zu erfreuen.  Statt mich im offenen Twitter über alles Mögliche heftig uffzuregen, konzentriere ich mich darauf, in einer kontrollierten Umgebung gesellig und positiv zu sein. — Am Donnerstag den 08. hatte ich zu viel um die Ohren und war zu erschöpft, um einen Tipp zu verschicken.

Viel Spaß!
Cheers,
Alex / molo


Mittwoch, 07. Nov.: Allen KRITISCHEN Lovecraft-Kennern zum Abgiggeln empfohlen. Dieser Essay von @OSPyoutube wurde mir von youtubes Empfehlungs-Algorithmus nahegebracht. Hab ‘nen Gutteil des Mittwochs damit verbracht, den Kanal von ›Overly Sarcastic Productions‹ zu durchstöbern. Hat mir sehr geholfen, mich zu beruhigen.   


Freitag, 09. Nov.: Heutiger Netflix-Tipp über den ich mich SEHR freue (neben der 2. Staffel »The Sinner« und »American Horror Story: Cult«): ich kann endlich wieder mal »An American Tail« auf Englisch gucken. Was hab ich harter 14-Jähriger damals Tränen der Rührung vergossen bei diesem Lied.


Samstag, 10. Nov.: Unter anderem, weil ich wiederum gescheitert bin, mit Technik für Podcast-Aufnahmen zurecht zu kommen (Update: Massenschleifen-Brummen Dank selbst gebasteltem Erdungskabel mittlerweile beseitigt … Yeah!) hab ich mich extrem frustriert dem Bude-Aufräumen hingegeben und ließ dabei nebenbei dieses Video über Scots (nicht zu verwexeln mit Scotish English!) von laufen. Großartiger Channel für alle denen Gefizzel & Eigenheiten von Sprachen Freude bereitet. Darin dann folgender Hammer, über den ich jetzt noch lach:

»There is no universal standard to determine what’s a language and what’s a dialect. — ›A language is a dialect with an army and a navy‹«

»Es gibt keine allgemein gültigen Kriterien um zu bestimmen, was eine Sprache und was ein Dialekt ist. — ›Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und einer Marine.‹«

Das Zitat stammt von Max Weinreich.


Sonntag, 11. Nov.: Irgendwie bin ich nach Akku-Aaufladen wachgeworden, und frug mich: was ist eigentlich aus der Animationskünstlerin Nina Paley geworden, die mich damals™ mit ihrem Video zu »This Land Is Mine« beeindruckt hat, und deren Film »Sita Sings the Blues« bei uns komplett untergegangen ist?
(Eh ein Thema für sich … wieviel hochrangige Animationsfilme NICHT den Weg auf den deutschen Markt schaffen; googelt zB mal »Kahlil Gibran’s The Prophet«; der wird in der deutschen Wikipeadia noch nicht mal ERWÄHNT, weder beim Autor, dem Buch, den durchaus hochkarätigen Sprechern Liam Neeson oder Alfred Molina, oder der Sprecherin/Produzentin Selma Hayek).
Zurück zu Nina Paley: hier ein kurzer Film der geeignet ist, einem ganze Semester Religions- & Mythologiegeschichte zu ersparen:


Montag, 12. Nov.: Hab mich selbst damit überrascht, als ich mich getraut hab, bei Kamerad Markus Mäurer einen Kommentar in sein feines Blog ›translate or die‹ zum Thema »Ist der Markt für anspruchsvolle Phantastik im Arsch?« zu platzieren … okay, es ist ein Uffreg-Text, aber ich glaub, ich hatte mich im Griff.


Dienstag, 13. Nov.: Mein heutiger Tipp ist einfach: »The Grand Budapest Hotel« (2014) von Wes Anderson. Ich schrieb ja schon im offenen Burnout-Twittagebuch, dass ich Anfangs mit Anderson nicht wirklich warm wurde. »Rushmore« (1998, Videothek) und »The Royal Tennenbaums« (2001, Videothek) sah ich damals und fand sie so ›meh‹-kurios-fad. Aber »The Fantastic Mr. Fox« (2009, Stream) eroberte sofort mein Herz, und auch »Moonrise Kingdom« (2012, Stream) hat mich inniglich amüsiert. »Isle of Dogs« (2018) war dann der erste Anderson-Film, den ich im Kino sah und — hier wird’s jetzt wacklig, denn die Steigerungen der Begeisterungsverkündigung drohen zu einem heiklen Balance-Akt des In-der-Höhe-Aufeinandertürmens zu werden — ich war noch hingerissener: nie war Not, Elend & Dystopie so schön, so ergreifend, so lustig!

Nun also TGBH. Was soll ich sagen? Normalerweise muss ich lange knobeln, mich durch Zweit- & Drittbeschau, Vergleichen mit sonstigen Werken eines Machers und den in Frage kommenden Milieu-/Genre-Artgenossen vergewissern, um meine Höchstnote nicht unachtsam einem unwürdigen Kandidaten angedeihen zu lassen, aber diesmal — wie zuletzt, so meine Erinnerung mich nicht trügt, bei »Gravity« (2013) — bin ich bereits nach erster Augenscheinnahme sicher: dieser Film ist eine 10 (oder Plus 5 über der unsichtbaren Grenze der absoluten Mittelmäßigkeit; Maßstab-setzendes  Meisterwerk; olympisch). Natürlich hat mich TGBH angefixt, mich in Bälde mal näher der Werke von Stefan Zweig anzunehmen, den ich bisher nur auszugsweise kenne. Hier die Abspannmusik, die ich nach dem Film einige Male wiederholt habe, inkl. beiseit rücken der Möbel, damit meine osteuropäischen Gene genug Platz haben um gehörig abzuzappeln.


Mittwoch, 14. Nov.: »Die rote Schildkröte« ist noch bis zum 21. November 2018 bei arte für umme zu sehen, und wer den Film dort verpasst, kann ihn auf einigen Plattformen  streamen, oder sich eben gleich auf DVD/Blu Ray besorgen. Ich hab zwar den Verdacht, hier dem Chor zu predigen, aber trotzdem: wenn auch nur einer von euch noch nix von dieser Studio Ghibli-KoProduktion mitbekommen hat, oder noch nicht dazu gekommen ist ihn zu sehen, hat sich die Mittelung gelohnt. Macht euch einen schönen Abend mit einem Film-Gedicht ohne Worte: nur Bilder, Geräusche und Musik. Und wer selbst irgendwie kreativ unterwegs ist, wird anhand dieses Films viel über die Kunst des Geschichtenerzählens lernen können. Er ist eine machtvolle Erinnerung daran, dass die grundlegendsten Elemente jeder Geschichte Menschen sind, ihre Gefühle, ihr Hoffen und Scheitern und wo sie sich in der Welt wiederfinden und wie sie mit ihr umgehen; und dass es keine Sprache, fizzeligen Begriffe und darauf aufbauenden ausgeklügelten ideologischen Streitgespräche braucht, um über diese essentiellen Dinge nachzudenken. »Die Rote Schildkröte« strotzt derart vor Selbstvertrauen und Schönheit, dass es schon schmerzt. Aber auf die Gute. Vertraut mir.